Neubauten können nur dann so sparsam sein, wie geplant, wenn sie auch mindestens so gut gebaut werden, wie geplant. Leider haben viele auf dem Bau beschäftigten Hilfsarbeiter, Arbeiter, Poliere und Handwerker keine umfassende Kompetenz zur Beurteilung der energetisch relevanten Qualitäten vieler Baudetails. Oft kennen die auf dem Bau Beschäftigten die energetische Planung auch gar nicht oder nur vom Hörensagen und die ihnen vorliegenden Auftragstexte oder Ausführungspläne machen die Bedeutung bestimmter Details nicht deutlich genug. Neben einer vollständigen und hinreichend detaillierten energetischen Planung und eindeutigen sowie verständlichen Auftragsbeschreibungen an die ausführenden Firmen kommt daher auch der Qualitätsüberwachung der Bauausführung eine hohe Bedeutung zu.
Die Qualitätsüberwachung der Bauausführung ist zunächst Aufgabenfeld der allgemeinen Bauleitung der einzelnen ausführenden Unternehmen bzw. von deren örtlichen Bauleitern und Polieren. Eine gesonderte energetische Qualitätssicherung der Bauausführung kann nötig sein, wenn energetische Niveaus und Ausführungsqualitäten realisiert werden sollen, für deren richtige Umsetzung das sonst übliche Know-how der Baubeteiligten möglicherweise nicht ausreicht.
Die Qualitätssicherung der energetischen Bauausführung setzt voraus, dass eine komplette energetische Planung vor Baubeginn vorliegt, denn die Relevanz einzelner Bauteilqualitäten kann nur aus dem Kontext der energetischen Gesamtplanung beurteilt werden. So kann z.B. keinesfalls freihändig auf der Baustelle abgeschätzt werden, ob ein versehentlich falsch angeliefertes Material für die Herstellung der wärmeübertragene Gebäudehülle mit anderen energetischen Eigenschaften "kein Problem" darstellt oder aber die Zielerreichung beeinträchtigt.
Qualitätssicherung der Bauausführung besonders Energie sparender Häuser
Prüfpunkte der energetischen Qualitätssicherung der Bauausführung sind:
- wird das Haus von Standort, Maßen und Ausrichtung gebaut wie geplant ?
- haben die angelieferten und verbauten Materialien die geplanten energetischen Eigenschaften (Lambda-Werte, Schichtdicken etc.) ? Sind es jeweils die geeigneten Materialien ?
- werden die wärmebrückenrelevanten Details ausgeführt wie geplant ?
entstehend die für die Haustechnik nötigen Schächte und Schlitze im Rohbau wie geplant ? - stimmen die Fenstergrößen mit der Planung überein ?
- ist im Bauablauf erkennbar, dass früher tätige Gewerke Hindernisse für später kommende Gewerke schaffen, z.B. Zimmerer oder Installateure für spätere Trockenbauer, die luftdichtende Schichten einbauen sollen ?
- haben die angelieferten Fenster die richtigen Rahmen, Gläser, Randverbünde und ggf. Unterfangungen und Anschlussbauteile ?
- werden die Fenster und Türen bzgl. äußerer Wasserdichtung, Fugenverfüllung und innerer Luftdichtung sachgerecht eingebaut ?
- werden alle anderen für die Luftdichtheit relevanten Details ausgeführt wie geplant ? Werden alle später nicht mehr zugänglichen Teilflächen rechtzeitig vorgeputzt (Schächte, Schlitze, Laibungen, hinter Vorwandinstallationen) ? Wird der Putz vollflächig ausgeführt, auch dort, wo er später nicht mehr sichtbar ist aber eine luftdichtende Schicht bilden muss. Sind die Anschlüsse verschiedener luftdichtender Schichten untereinander (z.B. Folien im Dach und Putz an Wänden) richtig vorbereitet.
- Werden die Luftkanäle in richtiger Dimension und aus richtigem Material verbaut und werden sie thermisch und akustisch mängelfrei montiert ? Werden die vorgesehenen Revisionsöffnungen eingebaut ? Wird gegen eine vorzeitige Verschmutzung der Luftkanäle in der Bauzeit vorgesorgt ?
Entspricht die eingebaute Lüftung und Heizung in allen Komponenten der Planung ? - Ist die Gebäudehülle tatsächlich so luftdicht wie geplant (Blower-Door-Messung)
Ist die Lüftungsanlage richtig einreguliert (Einregulierungsprotokoll, ggf. Nachmessung) ? - Ist die Hydraulik von Heizsystemen richtig einreguliert (Einregulierungsprotokoll, Stichproben)
Sind alle Bestandspläne, Betriebs- und Wartungsanleitungen vorhanden ? - Wurden die Benutzer oder Verwalter oder Hausmeister eingewiesen ?
Die energetische Qualitätssicherung der Bauausführung versteht sich dabei vor allem als Hilfestellung zur praktischen Fehlervermeidung und ggf. frühzeitigen Fehlererkennung. Je früher evtl. Mängel entdeckt werden, desto geringer sind die Kosten ihrer Nachbesserung und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das angestrebte höhere energetische Niveaus und die damit verbundenen Einspar- und Komforteffekte erreicht werden.

