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Energiesparendes Bauen in Hamburg: Nachhaltige Bausubstanz

Förderbeispiel: Ein Interview mit der Wohnungsgenossenschaft von 1904 e.G.

Sie setzen im Neubau ganz auf hocheffiziente Gebäudestandards. Was treibt Sie dazu an?

Klaus Weise: In erster Linie wollen wir mit dem Bau von Passivhäusern und Effizienzhäusern Betriebskosten sparen. Die „zweite Miete“ soll für unsere Mitglieder nicht irgendwann die Kaltmiete überholen. Bei einem Neubauprojekt mit zehn Reihenhäusern in Farmsen haben wir den Passivhaus-Standard bereits erfolgreich ausprobiert. Das Nächste, was wir in diesem Standard bauen, sind 100 Wohnungen in der Saarlandstraße, zusammen mit unseren Partnergenossenschaften DHU und Hamburger Wohnen. Das werden aber Mietwohnungen auf der Etage, teilweise als Maisonette.

Monika Böhm: Genossenschaften sind ja dafür bekannt, dass sie nachhaltig bauen. Wir wollen noch in 40 Jahren eine vernünftige Bausubstanz haben, ohne gleich wieder in die Modernisierung investieren zu müssen. Außerdem ist die Klimaschutzdebatte ein ganz wichtiges Thema für uns. Daher wählen wir für unsere Neubauten mindestens den Standard Effizienzhaus 55.

Wie sind Ihre ersten Erfahrungen mit den Passivhäusern?

Weise: Unsere Mitglieder fühlen sich wohl. Wir haben im Frühjahr die Meinungen unserer Mitglieder zum Wohnen in Passivhäusern abgefragt, die waren überwiegend positiv. Dennoch ist es schwierig, auch die größtmögliche Energieeinsparung zu erzielen. Obwohl durch die Lüftungsanlage in den Wohnungen immer frische Luft vorhanden ist, haben einige das Gefühl, sie müssten das Fenster aufreißen. Daher kommen im Winter die Heizungen, die eigentlich nur als „Angstheizkörper“ eingebaut wurden, doch mehr als gedacht zum Einsatz.

Böhm: Die Leute sind so erzogen worden: Lüften, lüften, lüften! Das bekommt man gar nicht so schnell wieder heraus. Zum Teil sind die Fenster gekippt, was ja eigentlich gar nicht vorkommen sollte. Deswegen bauen wir bei den nächsten Häusern gar keine Klappfenster mehr ein. Auch bei den technischen Bedienelementen haben wir dazugelernt. In den Reihenhäusern haben wir eine relativ komplizierte Steuerung für Frischluft und Wärme, das ist ein richtiger kleiner Programmieraufwand. Bei den nächsten Gebäuden wählen wir eine einfachere Lüftungssteuerung mit nur drei Stufen. Insgesamt hat die Technik aber ihre Praxistauglichkeit unter Beweis gestellt. Im Berner Heerweg bauen wir jetzt sogar eine Seniorenwohnanlage als Passivhaus.

Wie gehen Sie bei der Modernisierung vor?

Böhm: Energieeffizienz ist auch hier ein wichtiges Thema. Insbesondere bei unseren Bauten aus den 20er- und 30er-Jahren gab und gibt es noch viel zu tun. In Winterhude haben wir ein Objekt mit 130 Wohnungen gedämmt und wieder einen richtigen Klinker draufgesetzt. Die Denkmalschützer waren begeistert und haben uns sogar zusätzliche Balkone genehmigt. Bei den 50er-Jahre-Bauten schauen wir uns die Bausubstanz erst einmal genau an, weil die oft sehr schnell hochgezogen worden sind. Da kann es sich auch schon mal lohnen, Wohnungen abzureißen und ganz neu zu bauen.

Weise: Auch bei unseren Modernisierungen planen wir neuerdings immer eine kontrollierte Be- und Entlüftung mit ein. Wenn Sie Vollwärmeschutz machen und neue Fenster einbauen, ist der Schimmel sonst vorprogrammiert. Bei den alten Fenstern gab es noch einen „automatischen“ Luftaustausch, die neuen sind hermetisch dicht. Wir verwenden daher jetzt bei einem Vorhaben erstmals Fenster mit einer Lüftung, die sich über die Feuchtigkeit selbst reguliert.

Welche Klimaschutz-Investitionen planen Sie für die Zukunft?

Böhm: In den nächsten zehn Jahren planen wir allein für Wärmedämmungen Investitionen von über 27 Mio. Euro, den Austausch von Fenstern gar nicht mit eingerechnet. Unsere Heizungen haben wir zum Glück bereits komplett auf die Energieträger Gas und Fernwärme umgestellt. Bei allen Neubauten bauen wir Solarthermie-Anlagen ein, um die Heizung und Warmwasserbereitung klimafreundlich zu unterstützen.

Weise: Wir wollen als Genossenschaft beim Klimaschutz vorangehen. Die WK spielt bei diesen Investitionen eine große Rolle. Hamburgs Förderbank ist ein richtiger Dienstleister geworden, der umfassend zu Finanzierungsmöglichkeiten berät. Wir nehmen das gern in Anspruch, um unsere Mieten auch bei einem hohen Energiestandard der Gebäude so günstig wie möglich zu halten – die Förderung der WK unterstützt uns dabei.

Mehr Informationen zur Förderung für Mietwohnungsneubau und die Modernisierung von Mietwohnungen.

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