Energiesparendes Bauen in Hamburg: Klimaschutz ist im Wohnungsbau fest verankert
Ein Interview mit Ralf Sommer, Vorstandsvorsitzender, Helmuth Ahrens, Vorstand, und Wolfgang Overkamp, Generalbevollmächtigter der WK
Hamburg ist in diesem Jahr Umwelthauptstadt Europas. Welchen Stellenwert hat Klimaschutz bei der WK als städtischer Förderbank?
Ralf Sommer: Ziel der städtischen Förderung ist es, günstigen und zeitgemäßen Wohnraum zu schaffen - der Klimaschutz ist aus der Wohnungsbauförderung nicht mehr wegzudenken. Nicht nur, weil Vorschriften und Gesetzen in den letzten Jahren verschärft worden sind, spielt die Frage nach den energetischen Standards bei Investitionen von Anfang an eine große Rolle. In der sozialen Wohnraumförderung ist der Klimaschutz gleich in die Förderprogramme integriert, wir haben aber auch rein energetisch ausgerichtete Programme. Unsere einfache Formel in fast allen Programmen lautet: Je effizienter das Gebäude, desto höher die Förderung.
Wo sehen Sie in punkto Klimaschutz die größten Potenziale?
Wolfgang Overkamp: Da steht der Wohnungsbestand an erster Stelle: Über ein Viertel der CO2-Emissionen in Hamburg werden allein durch das Heizen von Gebäuden produziert. Kein Wunder, wenn man weiß, dass circa 85 Prozent aller Hamburger Wohngebäude noch vor dem Erlass der ersten Wärmeschutzverordnung 1978 gebaut worden sind. Das Einsparpotenzial durch energetische Gebäudesanierung ist in Hamburg deshalb besonders hoch. Hier bieten sich zum einen die Dämmung der Außenfassade und der Fenster, zum anderen die Sanierung der Heizungstechnik an – gegebenenfalls in Verbindung mit der Umstellung des Heizenergieträgers.
Helmuth Ahrens: Das Potenzial ist wirklich immens. Bestehende Gebäude brauchen etwa dreimal soviel Energie wie Neubauten. Schon die Dämmung der Hüllfläche kann den Energiebedarf um bis zur Hälfte senken. Hier setzen wir als städtische Förderbank Anreize. Öffentlich gefördert werden kann jedoch nur, was nicht bereits gesetzlicher Standard ist. Deshalb müssen wir mit unseren Anforderungen noch über diesen hinausgehen. Wir freuen uns, dass die WK-Angebote trotzdem auf eine gute Akzeptanz stoßen. Den Neubau sollte man natürlich nicht außer Acht lassen, aber bei rund 880.000 Wohnungen in Hamburg ist der Fokus deutlich zu erkennen.
Wie hat sich die Nachfrage nach Förderung von energiesparendem Bauen in den letzten Jahren entwickelt?
Ralf Sommer: Gerade im Neubau ist die Nachfrage hoch. Im Jahr 2006 hat die WK erstmals ein Förderprogramm mit Zuschüssen für hohe energetische Standards aufgelegt. In 2010 haben wir daraus schon über 3.150 Wohnungen gefördert. Bei 4.129 Baugenehmigungen, die in diesem Zeitraum in Hamburg erteilt wurden, erreichen wir also gut 75 Prozent. Dabei wird besonders der Einstiegsstandard sehr gut angenommen. Aber auch die Nachfrage nach Förderung des hocheffizienten Standards, für den es deutlich höhere Zuschüsse gibt, steigt.
Wolfgang Overkamp: Bei der Modernisierung teilen sich unsere Erfahrungen in den Zeitraum vor und nach Inkrafttreten der Energieeinsparverordnung EnEV 2009. Die EnEV hat die gesetzlichen Standards deutlich hoch geschraubt und führte zu Vorzieheffekten bei der Wohnungswirtschaft. So konnten wir bei der Modernisierungsförderung in 2010 nicht ganz an die große Resonanz der beiden Vorjahre anknüpfen. Zählt man die Sonderprogramme des Bundes zur energetischen Modernisierung und die privaten Wohnungseigentümer dazu, haben wir in der Summe aber trotzdem den Bewohnern von knapp 9.000 Wohnungen zu niedrigeren Heizkosten verholfen.
Wie fördert die WK Investoren, die Bestandsgebäude fit für die Zukunft machen wollen?
Wolfgang Overkamp: Die Zuschüsse für eine rein energetische Modernisierung im Mietwohnungsbau gewährt die WK auf Grundlage der Energiebilanz: Je größer die erzielte Energieeinsparung, desto höher die Förderung. Dabei entstehen keine Bindungen, wenn die Modernisierung ansonsten frei finanziert ist.
Ralf Sommer: Bei umfassenden Modernisierungen mit Grundriss- oder Ausstattungsverbesserungen haben wir die energetische Komponente für 2011 noch einmal gestärkt. Der Zuschuss beträgt jetzt 40 Prozent der förderfähigen Kosten. Je nachdem welcher Standard erreicht wird, können das bis zu 460,– Euro je Quadratmeter Wohnfläche sein.
Helmuth Ahrens: Nicht zu vernachlässigen sind auch die privaten Investoren mit selbstgenutztem Wohneigentum, von denen es in Hamburg rund 250.000 gibt. Sie unterstützen wir seit Jahren sowohl bei Bauteil- als auch Komplett-Modernisierungen.
Ralf Sommer: Es gibt auch noch andere öffentliche Programme, die zum Beispiel den Einsatz alternativer Technologien oder die Optimierung von Heizungsanlagen unterstützen. Ergänzend gibt es auch eine Förderung durch die KfW. Gern helfen unsere Berater den Bauherren, sich hier zurechtzufinden.
Welchen technischen Anforderungen müssen Neubauten genügen, damit sie nicht selbst bald modernisiert werden müssen?
Helmuth Ahrens: Durch die KfW besonders gefördert wird derzeit das Effizienzhaus 70. Auch das Effizienzhaus 40 und das Passivhaus sind längst ausgereift und mit unserer Hilfe immer besser finanzierbar. Dabei ist in punkto Dämmung die Entwicklung noch nicht abgeschlossen: Schon heute sind noch effizientere Standards technisch möglich. Die Entwicklung geht hier mit großen Schritten voran. Es gibt Studien für Plus-Energie-Häuser, die mehr Energie produzieren als sie verbrauchen – das wird das Modell der Zukunft werden.
Wie bewerten Sie insgesamt Ihr Geschäftsergebnis im Jahr 2010?
Ralf Sommer: Unser wichtigstes Ziel ist nach wie vor bezahlbarer Wohnraum für alle Bevölkerungsgruppen in Hamburg, wir dürfen das Geschäftsergebnis der WK nicht auf den Klimaschutz reduzieren. Wir haben im letzten Jahr über 1.500 neue Wohnungen mit sozialen Bindungen bewilligt, von denen der weniger einkommensstarke Teil der Bevölkerung profitiert. Mehr als die Hälfte dieser Mietwohnungen ist für Familien vorgesehen. Auch durch die Modernisierungsförderung hat die WK über 1.000 soziale Wohnungsbindungen erreicht. Darüber hinaus haben wir gut 350 Familien beim Bau oder Kauf von Wohneigentum unterstützt. 223 neue Wohnungen entstanden durch die Umwandlung von Büros zu Wohnraum. Damit sind wir auch 2010 unserem Auftrag gerecht geworden und haben einiges bewirkt.
Wie viel CO2 konnte mit Hilfe der WK-Förderung im letzten Jahr eingespart werden?
Helmuth Ahrens: Bei der Modernisierung von Mietwohnungen konnten wir dazu beitragen, dass in Hamburg 16,5 Mio. Kilowattstunden und damit über 8.700 Tonnen CO2 eingespart wurden. Beim Neubau, Eigenheime und Mietwohnungen zusammengenommen, wurden durch die höheren Anforderungen noch einmal gut 2.500 Tonnen CO2 eingespart.
Die WK hat ihr eigenes Bürohaus saniert. Wie arbeitet es sich in einem frisch gedämmten Gebäude?
Wolfgang Overkamp: In jeder Hinsicht angenehm! Eine energetisch vorbildliche Sanierung war ja für die WK eine Selbstverständlichkeit. Wir freuen uns, dass wir so nicht nur über die Förderung einen Beitrag zum Klimaschutz leisten können – zukünftig werden wir dann noch mit deutlich reduzierten Energiekosten belohnt. Auch wenn wir Strom aus erneuerbaren Energien beziehen, ist der Strom, den man nicht verbraucht immer noch der Beste. Mit der Fotovoltaik-Anlage auf dem Dach produzieren wir jährlich gut 7.000 Kilowattstunden, die in das Stromnetz eingespeist werden.
Was tun Sie persönlich für den Klimaschutz?
Wolfgang Overkamp: Bei mir sind das eher die kleinen Dinge des Alltags. Ich beziehe energetische Aspekte beim Kauf von Haushaltsgeräten ein und achte auf energiesparendes Heiz- und Lüftungsverhalten in der Wohnung.
Helmuth Ahrens: Als Marathon-Läufer bin ich gut zu Fuß – und schon aus Trainingszwecken viel auf eigenen Sohlen unterwegs. Aber auch sonst nutze ich häufig die öffentlichen Verkehrsmittel – das funktioniert in Hamburg sehr gut.
Ralf Sommer: Ich nutze für Termine in der Innenstadt häufig das Fahrrad. Das ist für mich persönlich nachhaltige Mobilität: unkompliziert und effizient.
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